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Gesundheit | Tradition

Nach der 1946 veröffentlichen Ansicht der Weltgesundheitsorganisation WHO lässt sich Gesundheit als Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen, sozialen, ökologischen und spirituellen Wohlbefindens definieren. Gesundheit wurde damit erstmals als ein im Lebensalltag ständig neu zu aktivierender Zustand eines ganzheitlichen Gleichgewichtes beschrieben und damit von seinem engen Bezug zur Biomedizin einerseits und dem professionellen Krankheitssystem andererseits gelöst. Noch prägnanter drückt sich dies im von Aron Antonovsky (1997) postulierten Begriff Salutogenese aus, welcher die gesundheitsfördernden biologischen, psychologischen und sozialen Ressourcen explizit hervorhebt. Gesundheit bedeutet in diesem Verständnis nicht nur das Vermeiden der stets präsenten und alltagsbestimmenden Krankheitsrisiken, sondern die Entwicklung von personalen und lebensweltlichen Faktoren, die zur Erhaltung eines gesunden Zustandes beitragen.

Für die modernen Fachwissenschaften stellt die Gesundheit ein generell schwer abzugrenzendes und vielschichtiges Phänomen dar. Bei Franke (2006) findet sich hierzu der Versuch, diese Komplexität durch das Kategorisieren in Dimensionen etwas einzuengen: Gesundheit als Freiheit von Störungen bezieht sich in einer Negativdefinition auf die Abwesenheit von Krankheit, Gesundheit als Wohlbefinden stellt die Befindlichkeit des einzelnen Mensch in den Vordergrund und geht so über die Abwesenheit von Beeinträchtigungen als Erklärung hinaus, Gesundheit als Leistungsfähigkeit und Rollenerfüllung geht wiederum über medizinische Aspekte hinaus und misst den Erfüllungsgrad von alltäglichen psychologischen und sozialen Ansprüchen, während Gesundheit als Anpassung die Fähigkeit einerseits den Anforderungen der äußern, physikalischen Umgebung und andererseits an den gesellschaftlichen Kontext als dimensionale Aspekte betont.

In den als Heterostase bezeichneten wissenschaftlichen Ansätzen wird Flexibilität als primäre gesundheitliche Dimension unterstellt. Ähnlich wie im Modell der Salutogenese sehen sie als gesunde Menschen jene an, die den ihnen entgegentretenden Störungen aktiv zu begegnen und überwinden wissen. Gesund sein ist demnach ein Zustand, indem Krankheitsrisiken und Krankheitszustände quasi notwendig sind, da andernfalls die als ungesund geltenden Aspekte Stagnation oder Erstarrung eintreten könnten. Während die Flexibilitätsmodelle in der Medizin eine eher untergeordnete Rolle spielen, ist dieser Aspekt der Dynamik und Beweglichkeit bei gesundheitsorientierten Ansätzen von Psychologen und Philosophen wesentlich bedeutsamer. Im Vergleich zu diesen auf stete Weiterveränderung fokussierten Konzepten betonen die Denkmodelle der Homöostase die Fähigkeit des Zurückpendelns auf einen harmonischen Zustand des Seins.